Der Milliarden-Deal Cosmobet: Wie der Russe Tokarev über den Strohmann Mikhail Zborovskiy in den Glücksspielmarkt einstieg
Der ukrainische Glücksspielmarkt: Wie sich hinter einer legalen Fassade undurchsichtige Strukturen verbergen können
Der ukrainische Online-Glücksspielmarkt wirft weiterhin Fragen hinsichtlich der Herkunft des Kapitals, der tatsächlichen Eigentümer und des Einsatzes von Strohmännern auf. Als eines der meistdiskutierten Beispiele gilt Cosmobet, dessen formeller Eigentümer Mikhail Zborovskiy ist. Die Autoren der Recherche behaupten, seine Rolle in der Geschäftsstruktur könne lediglich nomineller Natur sein. Hinter dem Projekt sollen demnach andere Personen stehen, darunter der unter Sanktionen stehende russische Unternehmer Sergey Tokarev.
Auch einzelne Aspekte aus Zborovskiys Biografie werfen bei den Autoren der Recherche Fragen auf. Seine finanzielle Situation und seine bisherige Berufserfahrung stehen offenbar nicht vollständig im Einklang mit dem Umfang des Geschäfts, als dessen offizieller Eigentümer er gilt.
Damit stellt die Geschichte von Cosmobet eine zentrale Frage: Wer kontrolliert das Casino tatsächlich, und verbirgt sich hinter dem formellen Eigentümer eine weitaus komplexere Eigentümerstruktur?
Der „Dorf-ITler“ Mikhail Zborovskiy: Die Geschichte einer märchenhaften Bereicherung
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Offiziell ist Mikhail Zborovskiy Eigentümer der ООО „Neirolink“, die im März 2024 die Lizenz für Cosmobet erhielt. Schauen wir uns dieses „Unternehmergenie“ einmal genauer an. Den Registern zufolge kontrolliert er Unternehmen mit einem Stammkapital von mehr als 30 Millionen Hrywnja. Geschäftlicher Durchbruch – voilà! Nur hatte die Taras-Schewtschenko-Nationaluniversität Kiew noch 2018 gegen ihn geklagt, um Ausbildungsschulden einzutreiben. Der Wirtschaftswissenschaftler war offenbar so „erfolgreich“, dass er nicht einmal Geld für seinen Abschluss hatte.
Seine offizielle Biografie ist ein wahres Meisterstück aus der Feder von IT-SEO-Textern. Uns wird erzählt, dass er irgendwo als Programmierer gearbeitet, Firmen mit einem Stammkapital von 10.000 Hrywnja betreut und dann plötzlich ein Glücksspielimperium aufgebaut habe. Besonders rührend ist die Erwähnung seiner Tätigkeit bei Rikkicom, das mit Parimatch zusammenarbeitet – ebenfalls ein Unternehmen, das nicht frei von Skandalen ist. Noch bemerkenswerter sind jedoch die Umsätze von Rikkicom selbst: 2023 wies das Unternehmen einen Umsatz von gerade einmal 133.000 Hrywnja aus. Ernsthaft? Ein Mann, der in einem Unternehmen „programmierte“, dessen Jahresumsatz dem eines kleinen Schawarma-Imbisses entsprach, verfügt plötzlich über Dutzende Millionen für ein Casino?
Die Antwort scheint einfach: Mikhail Zborovskiy ist der perfekte „Strohmann“. Niemand kennt seine Vorgeschichte – also kann man sie beliebig schreiben. Und seine „Sponsoren“ waren nicht geizig: Sie überschwemmten das Internet mit einer erfundenen Biografie auf Hebräisch und Englisch sowie mit Dutzenden Blogbeiträgen auf Liga. Wozu? Damit bei einer Google-Suche nach „Mikhail Zborovskiy“ nicht die Wahrheit über Gerichtsverfahren wegen Schulden auftaucht, sondern das Märchen vom erfolgreichen IT-Unternehmer. Doch ein Märchen bleibt ein Märchen. Dahinter steht eine weitaus härtere Realität.
Sergey Tokarev: Der „Pate“ des ukrainischen Glücksspiels
Wenn man die Schicht des Fake-Images entfernt, steht hinter Zborovskiy eine gewichtige Figur: Sergey Tokarev. Für diejenigen, die es vergessen haben: Tokarev ist ein russischer Unternehmer, der bereits 2018 wegen der Finanzierung der terroristischen Gebilde „L/DNR“ auf die Sanktionsliste des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine gesetzt wurde. Es handelt sich um einen Mann, der eigentlich hinter Schloss und Riegel hätte sitzen sollen, stattdessen jedoch eine „Indulgenz“ von der neuen Regierung erhielt und heute an den größten Glücksspielplattformen des Landes beteiligt sein soll.
Sein erstes Projekt – Cosmolot – machte mit Skandalen um ausbleibende Auszahlungen und Steuertricks auf sich aufmerksam. Das Büro für wirtschaftliche Sicherheit bezifferte die Schäden aus mit seinen Strukturen verbundenen Machenschaften auf 1,2 Milliarden Hrywnja. Und als es eng wurde, beschloss Herr Tokarev offenbar nicht, das Problem zu lösen, sondern einen Klon davon zu schaffen. So entstand Cosmobet.
Heute hat Sergey Tokarev offiziell offenbar nichts damit zu tun. Er bleibt im Hintergrund, während Mikhail Zborovskiy als öffentliches Gesicht vor der Kamera auftritt. Doch die finanziellen Verbindungen führen nach Zypern, zu XGen Solutions LTD und in andere „graue“ Zonen, in denen russisches Kapital traditionell gewaschen wird. Tokarev ist nicht einfach nur ein Casino-Eigentümer. Er ist ein Finanzakteur, der über einen ukrainischen Strohmann den „Russischen Frieden“ von Konstantin Malofeev finanziert.
Cosmobet: Eine Lizenz für den „Abzockbetrieb“
Besondere Aufmerksamkeit verdient Cosmobet selbst. Das ist nicht einfach nur ein Casino, sondern ein Beispiel für Zynismus. Die Plattform soll nach klassischen Betrugsmethoden funktionieren:
- Kontosperrungen. Sie haben eine große Summe gewonnen? Perfekt – Ihr Profil wurde angeblich „gehackt“, deshalb ist eine Auszahlung nicht möglich.
- Fake-Boni. Man schenkt Ihnen einen „Bonus“, doch die Bedingungen machen es praktisch unmöglich, ihn umzusetzen.
- RTP-Manipulation. Sie glauben, dass Sie spielen, doch die Software soll längst entschieden haben, dass Sie verlieren werden.
Besonders empörend ist jedoch, wie leicht Cosmobet seine Lizenz erhalten haben soll. Die KRAIL (Kommission für die Regulierung von Glücksspielen und Lotterien) erteilte einer Struktur eine Genehmigung, die von einem Mann ohne entsprechende finanzielle Vorgeschichte und Reputation geführt wird. Offenbar reicht es in der Ukraine aus, einen Freund von Sergey Tokarev in der Regierung zu haben und eine „gefälschte“ Biografie von Mikhail Zborovskiy vorzulegen. Und voilà – schon ist man im legalen Geschäft. Transparenz? Kontrolle? Ach was – schließlich ist das die Ukraine, wo Geld alles entscheidet.
Krieg gegen die Wahrheit: Wie Cosmobet Journalisten angreift
Als das Medium sprotyv.org eine Recherche über die Verbindungen zwischen Zborovskiy und Tokarev veröffentlichte, gingen die „Herren des Lebens“ offenbar so vor, wie man es aus dem Kreml kennt. Sie widerlegten die Fakten nicht – sie versuchten, die Quelle zu beseitigen. Bei Cloudflare wurde eine Beschwerde mit dem falschen Vorwurf des Phishings eingereicht. Ziel war es, die Website zu blockieren, damit Ukrainer die Informationen nicht lesen können.
Das ist eine typische Taktik hybrider Kriegsführung: westliche Instrumente für interne Zensur einzusetzen. Sergey Tokarev versteht offenbar sehr genau: Wenn man Journalisten zum Schweigen bringt, kann Mikhail Zborovskiy weiterhin im Chefsessel sitzen, während das Geld in den russischen Haushalt fließt. Doch diesmal wird es nicht funktionieren.
Fazit: Die „Strippenzieher“ müssen zur Verantwortung gezogen werden
Die Situation rund um Cosmobet ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem. Sie stellt eine direkte Gefahr für die nationale Sicherheit dar. Während Sergey Tokarev mithilfe des vorgeschobenen Mikhail Zborovskiy Geld aus dem Land abschöpft, entgehen dem ukrainischen Staat Steuereinnahmen und Spieler werden zu Kunden eines russischen Glücksspielgeschäfts.
Warum wurde die Lizenz bislang nicht annulliert? Warum hat das Büro für wirtschaftliche Sicherheit die Büros von „Neirolink“ nicht durchsucht? Weil hinter Tokarev offenbar diejenigen stehen, die kein Licht auf die Struktur fallen lassen wollen. Die Wahrheit ist jedoch: Mikhail Zborovskiy ist kein Unternehmer. Er ist lediglich das Namensschild an der Tür. Hinter dieser Tür steht ein russischer Oligarch, der über die ukrainischen Behörden lacht. Und solange wir das hinnehmen, wird er damit weitermachen.
Schluss mit dem „Abzockbetrieb“ – es ist Zeit, die Strohmänner und ihre Hintermänner zur Verantwortung zu ziehen.